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Prag zur Advent-Zeit


… sehr zu empfehlen!

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk haben wir unserer Frieda im Jahr 2006 gemacht. Als stille Beobachter und aufmerksame Zuhörer ist uns nicht entgangen, dass sie reisen und viel von der Welt sehen will. Prag, die Hauptstadt Tschechiens, hat sie noch nicht gesehen und war für uns als Überraschung und Weihnachtsgeschenk finanziell erschwinglich.

Wir haben also 2 Nächtigungen inkl. Frühstück im ***Hotel City-Centre für 3 Personen gebucht. 3 Personen deshalb, weil sie ja Begleitung brauchte. Also haben ihr Sohn und seine Freundin die Expedition verantwortungsvoll geleitet.

Das Hotel City-Centre zentrumsnah in der Revolucni 4, 110 00 Praha, war in Ordnung. Die Zimmer samt Sanitäranlagen klein aber sauber, das Frühstück gut und reichlich. Die 2 Nächtigungen mit Frühstück für 3 Personen beliefen sich auf 6.434,-- Tschechische Kronen, umgerechnet ca. 330,-- Euro (Umrechnungskurs 1 € entspr. Ca. 28 Tschechische Kronen). Ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis, nur empfehlen wir Ihnen die Anreise mit dem Zug und anschließender Taxifahrt oder den anschließenden Fußweg, denn zu unserer Zeit regierten Bauarbeiten, Umleitungen, Sackgassen, Einbahnen den Verkehr und es war uns bei typisch starkem Nachmittagsverkehr im Zentrum nicht möglich das nahe gelegene Hotel Marriot mit der Tiefgarage zum Abstellen unseres Autos zu erreichen. Das Hotel City-Centre hat nämlich keine eigenen Parkplätze. Also stellten wir das Auto nach vergeblichen 2 Stunden im Stau Herumkurven an einem bewachten Parkplatz etwas außerhalb, d.h. mit etwa 10 min. Fußweg zu erreichen, gegen 500 Kronen pro Tag ab. Das Parken kostete demnach 1.000,-- Kronen – umgerechnet ca. 35 Euro. In der Tiefgarage des Hotel Marriot wäre das Parken nicht billiger gekommen.

Nachdem nun diese Herausforderung gemeistert war überwanden wir unseren anfänglichen Missmut und genossen den spätnachtmittäglichen Spaziergang in der Altstadt Prags. Zu Fuß ist man weit besser dran!

Bei Plus-Graden und sonnigen Tagen gewannen wir einen erinnerungswerten Eindruck der Goldenen Stadt. Historisch einfach gewaltig.

Entweder man macht den im Reiseführer effizient vorgeschlagenen Rundgang in 3 Tagen um das Wichtigste und Sehenswerteste besucht zu haben oder man geht einfach mal drauf los und entscheidet von Kreuzung zu Kreuzung in welche Richtung es weitergehen soll. Die vom Hotel übergebene Stadtkarte war sehr übersichtlich und es waren wichtige Gebäude eingezeichnet.

Wir spazierten dann gemütlich weg vom Hotel die Fußgängerzone Celetná – die Zeltnergasse – entlang zum Staromestské námestí – Altstädter Ring mit dem Altstädter Rathaus. Der Pulverturm am Beginn der Celetná, benannt nach der Lagerung von Schießpulver, stellt den monumentalen Zugang zur Altstadt (Stare Mesto) dar. Er war der Beginn des Krönungsweges zur Prager Burg am Hradschin. Erwähnenswert am Altstädter Ring ist die berühmte Astronomische Uhr von 1490, angefertigt von Mag. Hanusch, Astronom, vor welcher sich stündliche die Pragbesucher versammeln und auf den Apostelzug oder das „Männleinlaufen“ warten. Zu jeder vollen Stunde gibt es ein Schauspiel zu betrachten: Christus und die zwölf Apostel ziehen als geschnitzte Figuren vorüber, der Hahn kräht, der steinerne Tod dreht die Sanduhr um und läutet das Totenglöckchen. An der Uhr gibt es allegorische Gestalten, Tiersymbole aus antiken und orientalischen Quellen, arabische Zahlen aus der alten böhmischen Zeiteinteilung (Zeit zwischen einem Sonnenuntergang zum nächsten) sowie römische Ziffern (zeigen 2 Mal die 12 Stunden eines Tages) zu entdecken. Am kleineren Ring kann man den Monat ablesen, der Zeiger gibt den Mondstand an, die zwölf goldenen Bogenlinien stellen den Planetenstand dar. Darunter befindet sich die Kalenderscheibe.

Prachtvoll ist die Aussicht vom Rathausturm. Nachdem es am ersten Tag die Abenddämmerung einsetzte, verschoben wir den Aufstieg in den Rathausturm auf den nächsten Tag. Gegen 9:15 Uhr waren wir da und hatten die Aussicht bei den Brüstungen fast ganz für uns allein. Der Aufstieg geht über Rampen – nicht Stiegen – und lohnt sich allemal – die Prager Altstadt in ihrer ganzen Pracht lässt sich von dort überblicken.

Auch das Innere des Rathauses ist sehenswert. Begonnen beim spätgotischen Hauptgebäude mit dem Kielbogen-Portal von 1475, in den Rennaissancetrakt, durch gotische Laubengänge, weiter in das Vestibül, die spätgotische Ratsstube – der wertvollste Innenraum des Rathauses mit bemalter Renaissance-Balkendecke, Stadtwappen und Zunftzeichen, und den neuen Sitzungssaal.

Die Gaststätten rund um den Platz sollten bewusst ausgewählt werden. Für den Genuss von 1 Tasse Heiße Schokolade, 1 Tasse doppelten Espresso und 1 Tasse Cappuccino wurde uns nämlich eine Rechnung über 621 Tschechische Kronen, umgerechnet 23 Euro präsentiert. Von diesem stolzen Preis ein wenig benommen flanierten wir an den Adventständen vorbei. Geöffnete Geschäfte luden zum Schmökern ein. Auch den Wenzelsplatz – Hauptgeschäftsstraße Prags – mit dem Nationalmuseum in der Neustadt (Nove Mesto) muss man mal durchschritten haben.

Auch die Teyn-Kirche – nach dem Veitsdom am Hradschin der bedeutendste Sakralbau Prags –  ragt mit ihren Renaissancegiebeln empor. Beeindruckendes Portal und licht durchfluteter Chorraum.

Die Karlsgasse – Karlova – ist praktisch die verlängerte Celetná und damit Teil des Krönungsweges zur Burg.

Der Krönungsweg führt weiter über die Karlsbrücke – Karluv most – eine der ältesten Steinbrücken Europas. König Vladislav I. ließ im Zeitraum 1158-72 die erste Steinbrücke bauen, die er nach seiner Gemahlin Judith von Thüringen benannte. Nach dem Einsturz der Brücke 1342 ließ Karl IV. die gotische Brücke über die Moldau mit einer Länge von 520 m und einer außergewöhnlichen Breite von 10 m (Platz für 4 Wagen) und 16 Bogen errichten.

Erst Ende des 17. Jhdt. wurde mit der Schaffung der insgesamt 30 Figuren (Schutzpatrone, Heilige, historische Persönlichkeiten aus böhmischem Sandstein begonnen. Die berühmteste Figur ist wohl der hl. Johannes Nepomuk, Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses – viel Legende gibt es um ihn. Die Berührung der vergoldeten Darstellungen im Sockel soll Glück bringen.

Am verzierten Altstädter Brückenturm sind mittig der Brückenpatron St. Veit, links von ihm Kaiser Karl IV., rechts sein Sohn und Nachfolger Wenzel IV. zu erkennen. Auch von diesem Turm aus kann man den fantastischen Ausblick genießen.

Hier, jenseits der Brücke, liegt die Kleinseite, einst die Kleinere Stadt Prag. Durch verwinkelte Gässchen, über den Kleinseitner Ring – Malostranske namesti – mit seiner bedeutenden St. Niklas Kirche, und Stiegen gelangten wir zur Prager Burg.

Der Krönungsweg führte aber eigentlich weiter durch die Nerudagasse – Nerudova. Diesen Krönungsweg fuhren die böhmischen Könige im 14. und 15. Jhdt. am Tage ihrer Krönung.

Ein ausgedehntes Areal steht für Rundgänge zur Verfügung. Der Wallgarten und der Paradiesgarten laden zum Spazieren ein. Die Prager Burg, 3 Burghöfe, der Alte Königspalast, der Dom St. Veit – die Krönungskirche und Grablege der böhmischen Könige, Kapellen, St. Georgs-Basilika, Nationalgalerie im St. Georgs-Kloster, Goldenes Gässchen (dort wohnten einst die Burgwächter und 24 rotgekleidete Schlosstor-Schützen, später durften sich auch Goldschmiede niederlassen), historisches Museum im Palais Lobkowitz, Spielzeugmuseum im ehem. Burggrafenamt. Nicht zu vergessen das Lustschloss Belvedere mit dem Singenden Brunnen (klingende Wassertropfen auf Metall) im Nordosten und das Kloster Starhov mit seiner namhaften Bibliothek in 2 grandiosen Sälen und einem einzigartigem Buchbestand, Handschriften, Wiegendrucke im Südwesten des Burghügels.

Sportlich bestiegen wir einen Hügel und gelangten zum Petrin Tower und zur Bergstation einer Seilzugbahn, mit der wir uns die Fahrt zum städtischen Treiben zurück genehmigten.

Auch bei Nacht ist der Anblick der Hradschiner Burg vom Ufer der Moldau aus atemberaubend. Lichter spiegeln sich an der Wasseroberfläche.

Prag – vor allem die Altstadt Prag – bietet Wunderbares für jeden Geschichtsinteressierten. Prachtvolle Gebäudefassaden, Meisterwerke der Architektur, Denkmäler, Kirchen und andere Zeitzeugen aus vielen Epochen (Barock, Renaissance, Rokokko, Gotik) in gut erhaltenem
Zustand.

Die letzten Stunden am 3. Tag unseres Aufenthaltes widmeten wir der Josefstadt – ehem. Judenviertel. Kulturdenkmäler wie die Altneu-Synagoge, der Alte Jüdische Friedhof und andere Synagogen sowie das Jüdische Museum stellen beeindruckende Zeugnisse jüdischen Alltags- und Festtagslebens dar.

Natürlich darf die böhmische Küche nicht unerwähnt bleiben! Beim Herumspazieren landeten wir einmal in einem Gewölbekeller mit deftiger, kräftiger, böhmischer Küche und einmal in einem chinesischen Restaurant. Da kann man wohl kaum in ein Restaurant geraten, wo man nicht gut isst. Unterwegs ging es in Cafes oder wir probierten Typisches (pikant und süß) von den Adventmärkten.

Na dann, prosím (danke auf Tschechis) für Ihr Interesse und viel Vergnügen bei Ihrem eigenen Städtetrip!



Informationen zum Artikel Prag zur Advent-Zeit

Titel: Prag zur Advent-Zeit
Rubrik: Reisen&Urlaub
Autor: Martina Tschierk
Email:
Datum: 2007-01-13