Mallorca Reisebericht - Westküste Mallorca
Westküste - von Galilea über Banyalbufar, Valldemossa, Deia, Soller, Lluc, Polenca bis in den hohen Norden Formentor
In Santa Ponca haben Thomas und ich uns für 4 Tage einen Kleinwagen mit Klimaanlage in einem der Autoverleihgeschäfte ausgeborgt. Kosten: 100,-- und Tanken bis zum Stand zum Zeitpunkt der Abholung.
Wir machten uns auf, die wunderbare Westküste entlangzufahren. Auf einer Strecke von rund 140 km kann man die ganze Vielseitigkeit von Mallorcas Landschaft erleben. Die Strecke ist nicht in einem Tag zu schaffen. Wir fuhren zunächst durch das hübsche Bergdorf Galilea in 505 m Höhe am Hang des Galatzó (Berg). Umliegende Terrassen und die Kirche Immaculata Concepció (Unbefleckte Empfängnis) mit ihrer schönen Fensterrose gibt es dort zu besichtigen. Inzwischen nennt sich Galilea Künstlerdorf und seine Terrassen zieren großzügige Villen.
Nächstes Ziel war Banyalbufar. Berühmt wurde der kleine zur Maurenzeit entstandene Ort wegen seiner blühenden Terrassen. Der Name stammt aus dem Arabischen "Buniola al bahar" und bedeutet "kleiner Weingarten am Meer". Mit Hilfe eines Kanalsystems wurden die terrassenförmigen Anlagen fruchtbar gemacht. Man vermutet, dass die Mauren ihr Bewässerungssystem von den Phönikern übernommen hatten, die es um 800 v. Chr. Auf die Balearen brachten. Der Anbau von Gemüse, Getreide und vor allem von köstlichem Malvasía-Wein aus der Muskatella-Traube machte Banyalbufar lange Zeit zu einem der reichsten Orte Mallorcas. Bis 1943 florierte das Geschäft mit dem Wein bis auf's Festland, danach wurden die Reben durch Tomaten- und andere Gemüsekulturen verdrängt. Die Landwirtschaft verliert aber immer mehr an Bedeutung, doch die Terrassen werden immer noch gepflegt.
Das berühmte Ausflugsziel Valldemossa durfte auf unserer Route natürlich nicht fehlen. Wir parkten am Ortsrand außerhalb der gebührenpflichtigen Kurzparkzone und spazierten zum Kartäuserkloster mit den Mönchszellen, in denen das Paar Frédéric Chopin (Komponist) und George Sand (emanzipierte, Hosen tragende, zirgarrenrauchende, dichtende Gräfin) den feucht-kalten Winter 1838/39 verbrachten. Es handelt sich hier nämlich um die Region Mallorcas, die am meisten von den regenreichen Nordwestwinden betroffen ist. George Sand schrieb über ihren Aufenthalt den Roman "Ein Winter auf Mallorca", der Mallorca berühmt und Valldemossa zur touristischen Attraktion machte. Aus den ehem. Mönchszellen entstanden Privatwohnungen. Zwei dieser nebeneinander liegenden Zellen mieteten Chopin und Sand in jenem Winter. Für die Besichtigung des weitläufigen Klosters mit der monumentalen Kirche, den historischen Sammlungen und Dokumenten zur Klostergeschichte wurde ein Eintritt von EUR 12,--/Person verlangt, was uns zu teuer erschien, zumal wir an der Ausstellung des Kunstmuseums mit Bildern zeitgenössischer mallorquinischer und spanischer Maler, darunter auch Joan Miró und Pablo Picasso kein Interesse hatten. Stattdessen flanierten wir durch den angrenzenden Klostergarten und machten Fotos von der Fassade des Klosters. Wir spazierten weiter in den unteren Teil des Ortes zur Placa Santa Catalina Tomás mit der Pfarrkirche San Bartolomé. Sie wurde bereits 1245 gegründet, aber in den darauf folgenden Jahrhunderten mehrmals verändert. An den Häusern von Valldemossa sind handbemalte Keramikschilder angebracht, die Bilder aus der Lebensgeschichte von Catalina Tomás zeigen, der Inselheiligen, die in Valldemossa zur Welt kam. Durch die blumengeschmückte Gasse Calle de la Rectoria, wo auch das kleine Elternhaus von Catalina Tomás steht und heute als Oratorium gepflegt wird, ging es bergauf zurück zum Auto.
Einen Stop legten wir am Aussichtspunkt Mirador ein, ein kleiner Turm, von dem man einen herrlichen Rundblick auf die wilde zerklüftete Küste und das weite Meer genießen kann.
Nächstes Ziel auf der Landkarte war das um einen freistehenden Bergkegel gruppierte Dorf Deià. Alle schmalen Gassen laufen zur auf der Spitze thronenden Kirche hin. Berühmte Persönlichkeiten wie die Schauspieler Peter Ustinov, Ava Gardner und Tony Richardson und sogar Pablo Picasso lebten zeitweilig in dem schönen Dorf. An der Straße abwärts zum Strand kann das interessante private archäologische Museum mit prähistorischer Sammlung besichtigt werden. Ein Bergbach ergießt sich romantisch talwärts mitten durch das Dorf. Aufgrund der Mittagshitze sind wir durch Deià nur durchgefahren. Dabei haben wir mitbekommen, dass gerade ein Straßenfest stattfand und wir wahrscheinlich eh nicht weit gekommen wären. 1867 kam Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg als 22-jähriger erstmals nach Mallorca. Zwei Jahr später ließ sich der Adelige auf der Insel nieder. Die Westküste hat diesem "Aussteiger" viel zu verdanken, hat er doch weite Teile der Landschaft mit uralten Olivenbäumen vor der großflächigen Rodung bewahrt. Wann immer Ludwig Salvator einen Bauern sah, der einen jahrhundertealten Ölbaum fällen wollte, kaufte er den Baum und ein Stück Land dazu. Auf diese Weise rettete der naturliebende Fremdeeinen breiten bewaldeten Küstenstreifen nördlich von Dieà bis südlich von Valldemossa und ließ auch die alten Steinmauern wieder aufbauen, welche die Felder und Ländereien begrenzten.
Auch in Sóller machten wir Halt. Wie weiter oben erwähnt, ist hier die eine Endstation der Schmalspurbahn "Roter Blitz". In der sonnigen Ebene von Sóller wachsen Orangen- und Olivenbäume, reich geerntet werden auch Feigen und Mandeln. Bereits die Araber nannten die Stadt "Sulliar", Tal des Goldes. Der Ort ist von den höchsten Gipfeln der Insel umgeben, bis zum Meer sind es aber nur 5 km. Unter den Römern wurde der Hafen Port de Sóller zu einem der wichtigsten Umschlagplätze Mallorcas. Nach der Wiedereroberung durch Jaume I. erlebte Sóller und das umliegende fruchtbare, windgeschützte und sonnige Tal einen enormen Aufschwung. Im 17. bis 19 Jhdt. erlebte Sóller mit seinem Handel mit Obst, Gemüse und den berühmten Orangen zum spanischen Festland und Frankreich einen wirtschaftlichen Höhenflug. Auch der "Rote Blitz" war eine äußerst wichtige Verkehrsverbindung für den Orangentransport.
Auf der Strecke liegt auch Fornalutx, das preisgekrönt schönste Dorf Spaniens, bezaubert mit Häusern aus Naturstein. Es besticht durch seine Lage inmitten von Zitronen- und Orangenbäumen, die fast das ganze Jahr über duftende Blütenpracht und frische Früchte bieten.
Die Zeit ließ es leider nicht zu Sa Calobra zu besuchen. Eine zauberhafte Kiesbucht in welche der Sturzbach Torrent de Pareis mündet und zu der man durch einen Tunnel gelangt. Ein wunderbares Naturschauspiel.
In Lluc gibt es das Kloster "Monestir de Lluc" zu besichtigen. Das Kloster war ursprünglich ein Ort der Meditation und stillen Andacht.
Durch Pollenca sind wir auch nur durchgefahren. Die lebhafte, malerisch gelegene Stadt gilt als Zentrum der Intellektuellen. Zu besichtigen gibt es enge Gassen, die Kirche Nostra Senyora del Roser samt davorliegendem Park und dem ehem. Kloster Santo Domingo, die Fußgängerzone Carrer d'Antonio Maura, die kleine Plazuela de la Almoina mit dem berühmten Font del Gall (1827), dem Hahnenbrunnen (der Hahn ist das Wappentier der Stadt), die Jesuitenkirche Montesión, der 365 Stufen umfassende Treppenweg zum Calvario, den Kalvarienberg.
Von Port de Pollenca sind es auf der kurven- und panoramareichen Straße etwa 20 km bis zum Cap de Formentor, eine schöne Route über die Halbinsel Formentor zum Leuchtturm, den nördlichsten Punkt der Insel. Dort haben wir bei einem Eis die Aussicht genossen. Am Rückweg haben wir dann noch mehrmals gehalten um uns bei einem Picknick zu stärken und Fotos von den Schwindel erregenden Steilküsten und Buchten zu machen. Den späten Nachmittag verbrachten wir an einem Strand, Cala San Vicente. Strand und Wasser waren ok. Der Wind und damit die Wellen wurden stärker. Strandbademeister achteten auf die Badegäste.
Weiter zu Mallorca Reisebericht - Ausflüge mit dem Auto
Informationen zum Artikel Mallorca Reisebericht - Westküste Mallorca
Titel: Mallorca Reisebericht - Westküste MallorcaRubrik: Reisen&Urlaub
Autor: Martina Tschierk
Email: tschierk@gmail.com
Datum: 2006-07-27