ADHS
Das Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitäts – Syndrom (ADHS)
Anders als vielleicht viele Menschen denken, ist das Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitäts – Syndrom (ADHS) kein Pauschalurteil für unerzogene Kinder. Es ist ein Krankheitsbild, das sich aus verschiedenen Symptomen zusammensetzt und verschiedene Symptome hervorrufen kann. Neben dem ADHS gibt es auch das ADS, ein Syndrom, welches sich anstelle von Hyperaktivität in konträrer Form, der so genannten Hypoaktivität äußert. Darüber hinaus existieren Mischformen beider Krankheitsbilder.
Nach derzeitigem Forschungsstand leiden Menschen, bei denen eindeutig ein ADHS diagnostiziert wurde, unter einem Ungleichgewicht der Botenstoffe (Transmitter) im Gehirn. Dabei scheinen die Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin die entscheidende Rolle zu spielen.
Die Diagnose des ADHS ist nicht einfach zu stellen, da die verschiedenen Symptome entweder vergleichbar bei Kindern auftreten, die unter einem Mangel an Erziehung leiden oder auf andere Krankheiten hinweisen, sodass differentialdiagnostisch stets gut abgegrenzt werden muss.
Um Fehldiagnosen zu verringern gehört die Diagnose des ADHS auch in erfahrene Hände und sollte somit von einem spezialisierten Kinderarzt (Pädiater) oder spezialisierten Psychologen durchgeführt werden.
Die Diagnose wird in der Regel nicht vor dem sechsten Lebensjahr gestellt, weil insbesondere Kleinkinder in bestimmten Entwicklungsphasen ähnliche Symptome zeigen können, die sich aber im Rahmen der Weiterentwicklung zurückbilden.
Aus diesem Grund gilt:
Die Verhaltensmuster sollten über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg in verschiedenen Lebensbereichen (Zuhause, Schule / Kindergarten, beim Spielen mit Freunden, …) immer wieder aufgetreten sein, bevor der Verdachtsmoment beim Arzt ausgesprochen wird.Beobachten Sie Ihr Kind zunächst selbst und machen Sie sich Notizen zu seinem Verhalten: Wann trat das Verhalten auf? Wie äußerte es sich? Gab es einen Auslöser? …
Bestätigen sich Ihre ersten Verdachtsmomente, so ist es ratsam allen an der Erziehung beteiligten Personen darüber zu informieren, um gezielte Beobachtungen „flächendeckend“ durchzuführen.
Sollten sich Ihre Beobachtungen auch in anderen Bereichen bestätigen ist die diagnostische Abklärung durch einen spezialisierten Kinderarzt angeraten. In der Regel bezieht sich die Diagnose auf verschiedene Teilbereiche:
1. Die Befragung der Eltern
2. Die Beurteilung der Situation durch die Schule (des Kindergartens)
3. Die Erstellung eines psychologischen Gutachtens
4. Die klinische (ärztliche) Diagnose
Sobald ein eindeutiges diagnostisches Ergebnis vorliegt, muss an eine Therapie gedacht werden. Beim ADHS hat es sich als besonders wichtig erwiesen, dass eine Therapie ganzheitlich gestaltet wird. Dies bedeutet, dass niemals nur in eine therapeutische Richtung gedacht werden sollte. Demzufolge unterscheidet man verschiedene therapeutische Maßnahmen, die wiederum eine Vielzahl an Möglichkeiten anbieten.
1. Die medikamentösen Therapieformen
2. Die häusliche Therapie (Eltern als ADHS – Trainer / ADHS – Coach)
3. psychotherapeutische und heilpädagogische Therapieformen
4. ernährungstherapeutische Maßnahmen
Immer wieder findet man auch „alternative Therapiemaßnahmen“ zur Behandlung von ADHS. Insbesondere wenn keine wissenschaftlichen Untersuchungen stattgefunden hat, bzw. wissenschaftliche Einschätzungen dazu zu finden sind, sollten Sie den Ansatz kritisch hinterfragen.
Um therapeutische Erfolge zu erzielen, muss die Therapie individuell maßgeschneidert werden. Man kann sie mit einem Anzug vergleichen: Der teuerste Anzug bringt nichts, wenn er nicht auf den Körper des Käufers zugeschnitten wurde. Erfolge können im Hinblick auf das ADHS nur dann eintreten, wenn konsequent die therapeutische „Individualversorgung“ eingehalten wird.
Besonders schwierig gestaltet sich dies im häuslichen Umfeld. Insbesondere das ADHS und die Symptomatik erfordern von allen Beteiligten viel Kraft und Durchhaltevermögen. Betroffene berichten immer davon, dass alle guten Absichten und Vorsätze immer wieder auf eine harte Bewährprobe gestellt werden.
Mit einem guten therapeutischen Konzept können die Symptome des ADHS stark gelindert werden, ob sie dadurch dauerhaft verschwinden, muss individuell beantwortet werden.
Weitere Informationen finden Sie unter: ADHS
Informationen zum Artikel ADHS
Titel: ADHSRubrik: Gesundheit
Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Email: postmaster@dr-gumpert.de
Datum: 2006-08-08