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Der Dachdeckermeister und das Reetdach (Weichdach)


Das Weichdach:
Das Weichdach ist regensicher, schneedicht, frostbeständig, diffusionsfähig, atmungsaktiv, luftfilternd, staubsicher und reguliert die Feuchtigkeit des Hauses und ist frei von Kondensatbildungen infolge Wasserdampfdiffusion.

Nach der Landesbauordnung in Schleswig-Holstein sind bauliche Anlagen gegen Feuchtigkeit so zu schützen, dass durch Einfluss der Witterung keine Gefahren entstehen können.
Das Weichdach ist eine einschalige fugenlose Dämmstoffplatte aus natürlichen Baustoffen, ohne nachteilige Kälte- und Wärmebrücken. Die Naturbaustoffe Reet, Stroh, Schilf haben mannigfaltige Prozesse hinter sich gebracht. Sie sind ökologisch bedeutsam und bestehen aus trockenem Skelettmaterial mit niedrigem Dauerfeuchtgehalt und höchster Atmungsaktivität, aus luftgefüllten Halmen und bilden eines der besten Dämm-Materialien überhaupt. Je mehr Hohlräume im Skelettmaterial sind, je dicker die Dachhaut ist, desto besser die Dämmung.

Reetdächer sollen nur vom erfahrenen Dachdecker eingedeckt werden!

Die Dachdeckung besteht derart aus einer dicken Schicht röhrenförmiger Elemente, dass Regenwasser nach den Gesetzen der Kohäsion, Adhäsion und Schwerkraft abgeleitet wird, ohne tief in die Dachhaut einzudringen.

-    Niederschlagsfeuchte dringt normal etwa 5 cm in die Deckung, bei Sturm mit Schlag-
regen vorübergehend bis 10 cm.
-    Das Weichdach bleibt bei Schneesturm absolut schneedicht. Der aus feinsten Eiskristallen vereinigte Staubschnee wird von der Dachhaut nicht absorbiert.
-    Das Weichdach schützt den Dachboden gegen Staub des Außenraumes.

Das Weichdach soll eine Neigung, wie schon gesagt, von 45° und steiler haben. Das Gefälle für das abzuleitende Regenwasser beträgt somit wenigstens 100 %. Im Freien trocknet die durchfeuchtete Dachoberfläche durch die Antriebskräfte Thermik und Wind relativ schnell. Auch an dieser Stelle sind dann alle Hohlräume wieder mit Luft angefüllt.

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Erklärlich sind nach den vorgenannten Naturgesetzen jetzt die Diffusionsfähigkeit und die atmungsaktiven, luftfilternden Eigenschaften des trockenen Weichdaches. Thermik, Windeinfluß und die Dachhautperforation ermöglichen eine wirksame Dachhauthinterlüftung, wobei der Luftzutritt an der Traufe und der Luftaustritt am höchsten Punkt des Firstes erfolgen. Die Dachhaut ist also eine belüftete Wärmedämmschicht. Sie führt auch Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinnern durch den Belüftungsstrom nach außen ab. Sie sorgt zugleich umgekehrt auch für die Feuchtigkeitsregulierung, für den Frischluftbedarf des Hauses und garantiert die Funktion eines zuverlässigen Filters zum Schutz des Innenraumes (Dachbodens) gegen Staub des Außenraumes.

Die Feuchtigkeitsbelastung des Weichdaches ergibt sich aus
-    nutzungsbedingter Feuchtigkeit des Gebäudeinnern und
-    der Niederschlagsfeuchtigkeit.

Die Feuchtigkeitsübertragungen und Wärmeübertragung stehen in stetiger Wechselbeziehung, da
-    einerseits die praktische Wärmeleitfähigkeit des Bedachungsmaterials durch den jeweiligen Feuchtigkeitsgehalt bestimmt wird und
-    andererseits die Feuchtigkeitsübertragung infolge Wasserdampfdiffusion und kapillarer Bewegung stark temperaturabhängig verläuft.

Feuchtigkeit kann also aus dem darunterliegenden Raum leicht durch die Dachhaut abgeführt werden. Zu Kondenswasserbildung kommt es nicht.
Bei Hartdächern kann die Dachhaut unter bestimmten Wetterverhältnissen an der Oberseite und auch an der Unterseite innerhalb der Konstruktion unter die Temperatur der Außenluft abgekühlt werden, wobei die Taupunkttemperatur unterschritten wird und Kondensatbildung auftreten kann.

Bei Weichdächern kann die Kondensatgefahr infolge unterkühlter Dachhaut an der Unterseite innerhalb der Konstruktion nicht auftreten, da die Dachdeckung selbst sehr wärmespei-cherfähig ist und der Abkühlungsprozeß entsprechend lange dauert oder, wenn sie genügend Wärme aus dem Gebäudeinnern zugeführt bekommt, der Effekt der Kondensatbildung überhaupt nicht auftritt.

Nach dem Amtsblatt in Schleswig-Holstein der Nr. 47/1967 Ziffer 4.2.1 ist für das einschalige Dach (Warmdach) rechnerisch nachzuweisen, dass an der Unterseite der Dachkonstruktion kein Tauwasser aus der Raumluft niederschlägt. Vergleiche hierzu die nachstehende Abbildung. Bei der homogenen wasserdampfdurchlässigen Wärmedämmschicht besteht beim Weichdach keine Gefahr der Wasserdampfkondensation; denn Sättigungsdampfdruck (ausgezogene Linie Psi) und vorhandener Dampfdruck (gestrichelte Linie Pj) berühren sich nicht.

Zusammengefaßt weist das Weichdach folgende bauphysikalische Funktionen auf:
Es ist eine einschalige wärme- und dampftechnisch einwandfreie, klimaregulierende, feuchtigkeitsspeichernde Wärmedämmschichtkonstruktion ohne Dampfsperre oder -bremse und ohne Dehnungsfugen.

Es ist wasserdampfdurchlässig aber gleichzeitig Regen abweisend und frostbeständig mit geringem Diffusionswiderstand. Die Wärmedämmstoffe erschweren oder behindern nicht den Gasaustausch (das »Atmen«) oder Verdunsten der Feuchtigkeit, wenn Wärme und Wasserdampf die Schichtkonstruktion von innen nach außen durchdringen.



Informationen zum Artikel Der Dachdeckermeister und das Reetdach (Weichdach)

Titel: Der Dachdeckermeister und das Reetdach (Weichdach)
Rubrik: Bauen&Wohnen
Autor: Max Kleinert
Email: Immax159 (att) yahoo.de
Datum: 2008-06-10